Zukunft mit Zuversicht meistern

23. September 2012

Schwierige Zeiten und ein herausforderndes Umfeld bedingen ein energetisches Agieren. Wie geht es mit uns weiter in Europa? Jammern wir hierzulande immer noch auf einem hohen Niveau und müssen uns den neuen Realitäten anpassen? Eines ist zumindest sicher: Den Kopf in den Sand zu stecken hilft niemandem. finanzwelt hakte nach und sprach mit einem renommierten Experten, Dr. Martin Lück, Chef-Volkswirt der UBS Deutschland, über die Entwicklungen in den großen Volkswirtschaften.

 

finanzwelt: Herr Dr. Lück, die Eurokrise ist (leider) ein Dauerthema. Wo stehen wir in Europa – muss uns hierzulande angst und bange werden? 

Dr. Lück: Schauen wir uns die Faktenlage an – Europa als Ganzes steht noch vergleichsweise gut da. Ein Blick über den Tellerrand hinaus verdeutlicht uns die Probleme in anderen Regionen der Welt. Der Schuldenstand in Teilen Asiens und insbesondere Japans ist schon besorgniserregend und übersteigt das durchschnittliche Niveau auf dem europäischen Kontinent. Um es klar und eindeutig festzuhalten: Prosperität in den europäischen Gefilden ist vorhanden, wir sehen uns vielmehr einem Auseinanderdriften der einzelnen Volkswirtschaften gegenüber. Die Überwindung der fehlenden oder mangelnden Integration Europas ist die zentrale Herausforderung der nächsten Zeit.

 

finanzwelt: Was gilt es konkret zu tun?

Dr. Lück: Das Gebilde Europa respektive die Eurozone ist kein Föderalstaat deutscher Prägung. Ziel muss es sein, eine stärkere fiskalische und politische Integration zu erzielen, um ein Scheitern des europäischen Gedankens zu verhindern. In diesem Kontext kommt der Europäischen Zentralbank (EZB) als zentralem Spieler und Brückenkopf künftig eine bedeutsamere Rolle zu. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass den in Nöten geratenen Staaten keine Zugeständnisse abgerungen werden müssen. Ein unkonditioniertes Vorgehen darf es auch seitens der EU/EZB nicht geben. Nationalstaatliche Alleingänge auf der anderen Seite sind ebenfalls kontraproduktiv, insofern bedarf es auch der intensiven Abstimmung der Mitgliedsstaaten der EU, um eine notwendige Lösung der Eurokrise herbeizuführen. Um ein Beispiel zu geben: Die dringend notwendige fiskalische Integration geht zwangsläufig mit der Aufgabe nationaler Souveränität einher, dies muss den politischen Entscheidungsträgern bewusst sein.

 

finanzwelt: Natürlich schaut in diesen Zeiten alle Welt nach Europa. Droht eine Abkühlung der US-Konjunktur und was würde das für uns bedeuten?

Dr. Lück: Die US-Wirtschaft ist mit der europäischen nicht zu vergleichen. Die dortige Ökonomie ist stärker binnenmarktorientiert; insofern liegt bei unseren amerikanischen Partnern ein anderer Fokus. Die Vereinigten Staaten sind vielmehr, nach meiner Meinung, spätestens seit der Finanzmarktkrise 2008 auf der Suche nach einer „neuen Normalität“. Damit meine ich, dass das bisherige Wachstumsmodell amerikanischer Prägung (Konsum wurde über höhere Verschuldung finanziert) der Vergangenheit angehört. In den Jahren vor der Subprime-Krise lag das Wachstum um die 3,5 % p. a. – ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennen, wie die USA an diese Zahlen anknüpfen könnte, wo ein neuer nachhaltiger positiver Trend auszumachen ist, und erwarte daher deutlich niedrigere Wachstumsraten in der Zukunft. Zur Illustration: Die amerikanischen Verbraucher, die knapp 70 % des US-Sozialprodukts ausmachen, kommen einfach nicht mehr so leicht an Geld wie vor der Krise. Eine Abkühlung in den USA ist natürlich zwangsläufig mit entsprechenden Folgen für die Weltwirtschaft verbunden, immerhin machen die Vereinigten Staaten rund 30 % der globalen Wirtschaftsleistung aus.

 

finanzwelt: Von der „alten“ zur „neuen“ Supermacht. Die Dekade des gigantischen Wachstums ist für China endgültig vorbei – 7,6 % Wirtschaftswachstum im 2. Quartal 2012. Sind die Chinesen für die Europäer konjunkturell so etwas wie der rettende Anker?

Dr. Lück: Das würde zunächst einmal voraussetzen, dass Asien, insbesondere China, noch stärker beschleunigt und Fahrt aufnimmt, um Nachfrageausfälle in anderen Teilen der Welt zu kompensieren. Dies ist nicht unbedingt zu erwarten. Natürlich war und ist China eine unbestrittene phänomenale Wachstumsstory. Die Bedeutung der chinesischen Ökonomie für die deutschen Exporteure ist in den vergangenen Jahren zunehmend angestiegen. Mit einem Ausfuhranteil von rund 6 % ist die Volksrepublik einer der wichtigsten Handelspartner. Besonders Maschinen, aber auch Autos und Fahrzeugteile liefern unsere Exporteure ins Reich der Mitte. Allerdings gibt es auch trübe Wolken am Himmel. Ich führe drei Problembereiche an, die allesamt große Herausforderungen für die politische Führung in Peking darstellen. Zum einen die massive Umweltproblematik, zum anderen die Wahrung des Eigentumsschutzes und nicht zu vergessen die demografische Struktur lassen China alt aussehen. Dies alles gilt es bei der Diskussion zu berücksichtigen.

 

finanzwelt: Die Unsicherheit wird die Märkte noch über die Jahreswende hinaus prägen. Wie sollen sich Anleger aufstellen?

Dr. Lück: Investoren sollten vor allem den hehren Grundsatz der Portfolio-Diversifikation beherzigen, das heißt: Nicht alle Eier in einen Korb legen. Im volatilen Marktumfeld sind Anleger gut beraten, nicht zu stark auf Risiko-Assets zu setzen. Edelmetalle wie Gold und Silber könnten bei nachgebenden Preisen gekauft werden. Ein Mix aus gut bewerteten Unternehmensanleihen, niedrig verzinsten, dafür aber „sicheren“ Staatsanleihen mit Aktien als reale Assets ist in diesem Marktumfeld erstrebenswert. Für Deutschland bin ich verhalten optimistisch und erwarte im kommenden Jahr ein BIP-Wachstum von 1,1 %.

Das Interview führte Alexander Heftrich

Scope Studie: Emittenten im Zertifikatebereich schauen positiv in die Zukunft

27. Juli 2010

Vielfalt ist in der Zertifikatebranche kein Fremdwort. Auch bei Kursrückgängen gibt es passende Produkte. Discount- und Bonus-Zertifikate sind so konstruiert, dass sie Kursrücksetzer bis zu einem bestimmten Maß erlauben. Diese Produkte konnten in der jüngeren Vergangenheit bei hohen Volatilitäten erstaunliche Renditen erzielen. Die Scope Group legte nun eine Studie für das erste Halbjahr im Bereich Strukturierte Anlageprodukte vor.

Vorbei mit der Tristesse des Jahres 2009. Die Emittenten im Zertifikatebereich schauen hoffnungsvoll und eindeutig positiv in ihre Zukunft. Aktuell profitieren insbesondere Discount- und Bonus-Zertifikate vom Marktumfeld. Die durchschnittliche Outperformance gegenüber dem DAX bezogen auf alle Kategorien und Underlyings liegt bei 6,3 Prozent. Positiv außerdem: Die trendneutrale Renditeerwartung lag über alle Kategorien und Basiswerte im Durchschnitt bei 2,8 Prozent p.a. und damit höher als bei der letzten Betrachtung.

Von einer hohen Volatilität können einige Produkte profitieren, so die Initiatoren der Studie. Insbesondere Discount- und Bonus Capped-Zertifikate, die neu aufgelegt werden, können Emittenten bei hohen Schwankungen mit attraktiven Konditionen ausstatten. Ein besonders hohes Emissionsvolumen konnte bei Discount-Zertifikaten ausgemacht werden. 32.030 Produkte dieser Art sind im Beobachtungszeitraum von Januar bis Ende Juni ausgelaufen. 40.548 Rabatt-Papiere nahm Scope Analysis dagegen neu ins Rating auf.

Erkenntnisreich auch ein weiterer Aspekt der Studie: Knapp 85 Prozent der Emittenten beurteilten ihre eigene Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr 2010 als sehr gut bis gut. Der Blick in die Zukunft fällt sogar noch besser aus: 92 Prozent der Emittenten erwarten einen sehr guten bzw. guten Geschäftsverlauf für das zweite Halbjahr des laufenden Jahres. Kein einziger Emittent vermeldet unbefriedigende oder sogar schlechte Geschäfte.

Great Britain – Unsicherheit nach der Wahl

7. Mai 2010

 

Großbritannien – General Election 2010

Es scheint sich zu bewahrheiten, was die Auguren seit längerer Zeit prognostizierten. Die Tories gewinnen hinzu, aber es reicht nicht für eine eigene Mehrheit im Parlament. David Cameron könnte eine Koalition mit den Liberal Democrats eingehen. Diese sind hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben, haben aber ihrerseits im Wahlkampf keine klare Präferenz für einen Partner erkennen lassen. Es könnte eine Hängepartie wie zuletzt 1974 geben. Ausgang offen. Keineswegs ein positives und eindeutiges Signal für die britische Ökonomie.

 

Wahlkampf vorüber, Sorgen bleiben

Nichts ist sicher, zumindest am heutigen 07. Mai 2010. Die Schlachten sind geschlagen, aber wer das Land regiert, bliebt abzuwarten. Labour fährt das schlechteste Ergebnis seit 1983 ein, die Nationalisten bekommen zum Glück eine Watschn und die Grüne Partei erringt zum ersten Mal einen Sitz im Unterhaus. Soweit die Fakten. Was bedeutet dieser Wahlausgang für die britische Ökonomie und das Pfund Sterling?

Der Wechselkurs GBP/EUR schwankt um 1,15 Pfund und hat sich in den letzten Wochen um rund fünf Prozent erholt. In erster Linie ist das natürlich dem schwächelnden Euro anzulasten, keineswegs eines gut aufgestellten Landes im Jahre 2010. Rückblickend lässt sich sagen, das s die britische Währung über viele Jahre überbewertet war, was die Industrie belastete. Seit dem Kurssturz im Jahr 2008 (zuvor waren Wechselkurse um 1,30 oder mehr je Euro die Regel) ist das Pfund vor allem gegenüber dem Euro unterbewertet. Dies könnte nach Einschätzung von Analysten zu einer Erholung der britischen Industrie beitragen. Hier könnte sich der Vorteil einer eigenen Währung zeigen. Zum US-Dollar befindet sich das Pfund ungefähr auf dem Stand von vor einem Jahr (1,47 Pfund je Dollar) und schwächelte in den letzten vier Wochen.

Der FTSE 100 hat nach seinem Hoch Mitte April (5.825 Zähler) überdurchschnittlich viel eingebüßt (auch zum DAX als Benchmark) und notiert nun nur geringfügig über der 200-Tages-Linie bei 5.230 Punkten.

 

AAA-Rating bestätigt

Die Ratingagenturen haben der Insel das AAA-Rating belassen – wohl in der Erwartung, dass das Land unter einer neuen Regierung den Staatshaushalt spürbar konsolidiert. Sollten die Maßnahmen aus Sicht der Agenturen nicht ausreichen, ist eine Ratingabstufung zu befürchten. Die neue Regierung steht damit unter Druck, die öffentlichen Finanzen zügig zu sanieren. Ob Cameron, Brown oder ein anderer Name: die künftige britische Regierung steht vor der Herkulesaufgabe, den Staatshaushalt zu konsolidieren und gleichzeitig die Konjunkturerholung nicht abzuwürgen. Natürlich hofft die „City“, dass letztlich die Konservativen den Premierminister stellen und nach 13 Jahren die Macht wiedererlangen.

Vereinzelt positive Nachrichten kommen von den Unternehmen: nach neuesten Angaben sind Unternehmensliquidationen im ersten Quartal 2010 um gut acht Prozent im Vergleich zum Quartal 04/09 zurückgegangen. 

Fokus Brasilien – Aussichten bleiben gut

15. April 2010

Am 3. Oktober 2010 finden in Brasilien Wahlen statt, bei denen neben dem Staatspräsidenten alle wesentlichen politischen Ämter auf Bundes- und Landesebene neu gewählt. Wilde Spekulationen schießen ins Kraut, wer Präsident Lula beerben wird. Ungeachtet der politischen Situation erscheint der Bovespa-Index in blendender Verfassung. Anfang April notierte der Index bei knapp 71.300 Punkten, einem abermaligen Zuwachs binnen einer Woche von 1,5 Prozent. Im März verzeichnete der Bovespa einen Anstieg um 5,8 Prozent, auf Quartalssicht ergibt sich ein Plus von 2,6 Prozent. Vor zwei Monaten markierte der Index sein bisheriges Jahrestief bei 62.762 Zählern. Seitdem ging es mit kleineren Abschwüngen steil nach oben.

Höhenluft konnte auch die brasilianische Währung, der Real, erhalten. Gegenüber Euro und US-Dollar legte er binnen eines Jahres rund 20 Prozent zu (Wechselkurs EUR/BRL 2,358). Die Inflation soll sich für 2010 in einem Korridor von 4,5 Prozent (+/- 2 Prozent) bewegen und an der Zinsfront können Anleger auch partizipieren. So beispielsweise ein entsprechendes Zinszertifikat der RBS auf den Real (WKN: AA01E9). Auf 12-Monate konnte das Papier satte 32 Prozent zulegen. Aktuell noch bis zum 09.04. in der Zeichnung ist ein Reverse-
Express-Zertifikat der Deutschen Bank mit Laufzeit bis zum 10.04.2012 auf das Währungspaar Euro/Real. Das Besondere dieses Zertifikates ist, dass es auf die Bewegungen des Basiswertes in entgegengesetzter Richtung reagiert. Falls der Basiswert an einem der Beobachtungstermine auf oder unterhalb der jeweiligen Tilgungsschwelle notiert, wird das Zertifikat zum relevanten Tilgungsbetrag – mit Ausnahme des letzten Beobachtungstermins (Ausübungstag) vorzeitig – getilgt. Der Protectlevel liegt bei 155,00 BRL. Maßgeblich für eine vorzeitige Rückzahlung bleibt dabei immer der bei Emission festgesetzte
Startwert, der am jeweiligen Stichtag mindestens erreicht sein muss.

Damit der brasilianische Index auch zukünftig die wirtschaftliche Realität des Landes widerspiegelt, gilt eine Umgestaltung des Bovespa in naher Zukunft als beschlossene Sache. Bisher geben insbesondere Rohstoffkonzerne den Ton an; Petrobras und Vale besitzen jeweils rund 15 Prozent des Gewichts im Index. Kumuliert mit anderen Stahl- und Zelluloseunternehmen haben die Aktien der Commodity-Konzerne mit rund 49 Prozent den größten Einfluss im Bovespa. Einige Branchen würden vernachlässigt, so Branchenkenner. So stieg der Bovespa im vergangenen Jahr um 83 Prozent, die Nebenwerte, der „Small Caps“, legte um 138 Prozent und der Immobilien- und Bauindex um 205 Prozent zu.

Anlage in Ösi-Land

16. März 2010

Österreich: Jenseits von Kaffeehaus und Wiener Schmäh

Unser Nachbar ist eng mit den osteuropäischen Staaten verknüpft. Thomson Reuters und die Österreichische Kontrollbank (OeKB) sprechen in ihrem aktuellen Geschäftsklima-Index von 400 Unternehmen, die vom Standort Österreich 1400 Unternehmensbeteiligungen in 19 Ländern der Osteuropa-Region steuern. Die Aussichten für eine wirtschaftliche Erholung in Osteuropa steigen aber nur moderat. Das ist das Ergebnis der jüngsten Analysen vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Die Länder im Osten profitieren von der Erholung in Westeuropa. Aber ein grundlegender Trend zu einer stetigen Erholung und einem Boom ist nicht auszumachen. Lediglich Polen konnte im vierten Quartal 2009 eine positive Änderung des BIP (+3,3 Prozent zum Vorquartal) aufweisen. Am Schlechtesten schneiden laut den Forschern die baltischen Staaten und Ungarn ab. Das bedeutet, dass die Region weit von jener Expansion entfernt bleibt, die vor der Krise gemessen worden war.

Leichte Impulse beflügeln die Wiener Börse wie auch die anderen osteuropäischen Börsen. Wenn es in Osteuropa nach oben geht, zieht auch Österreich in der Regel direkt mit. In letzter Zeit mangelt es dem ATX an Elan. Seit Jahresanfang konnte der Österreichische Index nur marginal um 1,7 Prozent zulegen, wohingegen die Aktienplätze in Ungarn und Polen Zuwächse um die sieben Prozent einstrichen. Für den ATX sprechen jedoch eine niedrigere Volatilität und die Charttechnik. Die Marke von 2.400 Zählern wurde seit Herbst 2009 nicht mehr nachhaltig unterschritten. Gleichfalls ist es ratsam, einen Puffer im Investment einzubauen. Beispielhaft ein Bonus-Zertifikat mit Cap von der Raiffeisen CENTROBANK (WKN: RCB4DD). Die Barriere des im Juli 2011 fälligen Produkts liegt bei 2.000 Punkten. Der Cap bei 2.950 Zählern, was einer Bonusrendite von 10,93 Prozent entspricht.

Hürde bei 6.900 Punkten beim SMI

15. März 2010

Im Rückblick auf die vergangenen vier Wochen konnte der Schweizer Aktienmarkt gute 420 Zähler zulegen und notiert am Freitag (12.03.) um die Marke von 6.840. Der Markt zeigt sich nach wie vor sehr stabil und die Volatilitäten sind auf niedrigerem Niveau.

Eine Korrektur, wie oftmals befürchtet und erwartet, ist noch nicht auszumachen. Man bedenke, dass in den vergangenen sechs Wochen ein Kursanstieg des SMI um zehn Prozent auszumachen ist.  Insofern die Frage, ob die 7.000er Marke erreicht werden kann. Zuletzt war dies am 19.09.2008 der Fall (7.025 Zähler). Nach den deutlichen Kursanstiegen wäre ein nachhaltiger Kursrückgang aber auch nur natürlich.

 

Ein Blick jenseits der Alpen lohnt. Nestlé, Novartis und Swisscom weisen aktuell mit die niedrigsten Volatilitäten europäischer Einzeltitel auf. Der Nahrungsriese Nestlé profitiert in den letzten Wochen von Kaufempfehlungen einiger Analysten mit einem Kursziel von 60 CHF. Aktuell liegt die Nestlé-Aktie bei 53,80 CHF (12.03.10) und kann im direkten Vergleich sowohl den SMI als auch den Euro STOXX Food + Beverage in der 6-Monats-Performance ausstechen. Anlegern bieten sich beispielsweise Capped-Bonus Zertifikate als lohnende Investitionsmöglichkeit. Sie ermöglichen ansprechende Renditen in Seitwärts-märkten, lassen dem Anleger aber alle Chancen bei stark steigenden Märkten. Das jüngst von der Société Générale emittierte Produkt (WKN: SG1L7E) hat eine Laufzeit bis zum 16.12.2011 und bietet eine Chance zur Erzielung einer Bonusrendite von 8,30 Prozent p.a. Dies gilt, solange die Barriere von 42,00 CHF während der Laufzeit nicht berührt oder unterschritten wird. Der Cap liegt bei 62,00 CHF. Der Emittent wird im Kredit-Rating mit A+ (S&P, Fitch) beziehungsweise Aa2 (Moody’s) eingestuft.

Einen ordentlichen Dämpfer erhielt in dieser Woche die Aktie des Pharmaunternehmens Roche. Nach zwischenzeitlichen Hochs bei 182 CHF zu Wochenbeginn notierte der Wert am Freitag mit deutlichem Abschlag bei 173,40 CHF. Grund hierfür waren Negativmeldungen des Pharmakonzerns. So konnte in einer klinischen Studie der Phase III keine Verlängerung der Lebenszeit von Männern mit fortgeschrittenem Prostatakrebs durch das Medikament Avastin nachgewiesen werden. Seit geraumer Zeit überzeugen Anlagen in Aktien von Gesundheitsfirmen mit einer relativen Outperformance verglichen mit Gesamtmarktindizes. Dank ihrer weniger stark abhängigen Geschäftstätigkeit von der Konjunktur konnten sich die meisten Titel der gestiegenen Unsicherheit an den Aktienmärkten bisher entziehen. Nach wie vor könnte auch Roche (im Besonderen als Basket-Titel, beispielsweise als Tracker-Zertifikat, Symbol: VZPHR). Emittent ist die Bank Vontobel.

 

Finanztitel boten auch in dieser Woche ein uneinheitliches Bild. Während die Credit Suisse von Kaufempfehlungen profitierte und im Wochenvergleich zulegte, stagnierte die Aktie von Julius Bär. Die UBS hat ihren Aufwärtstrend scheinbar gestoppt (kritische Marke 16,50 CHF) und musste Abschläge hinnehmen. Eindrucksvoll ist auch die Performance der Assekuranzaktien in den vergangenen vier Wochen. Sowohl Swiss Re, Swiss Life Holding als auch Zurich Financial N konnten Zuwächse verbuchen.

Defensivwerte im DAX – langfristig überzeugend

4. März 2010

Fresenius und Fresenius Medical Care

 

Die Story stimmt. Sowohl beim Mutterkonzern Fresenius SE als auch bei der Tochter Fresenius Medical Care. Nicht nur 2009 ist für die Unternehmen ein Rekordjahr gewesen, auch für die zukünftige Entwicklung bleibt man positiv gestimmt. Fresenius SE schloss das Jahr 2009 mit einem zweistelligen Gewinnanstieg ab. Fresenius Medical Care steht diesen Zahlen in Nichts nach. Das Konzernergebnis ist aufgrund einer geringeren Steuerquote um neun Prozent auf 891 Mio. US-$ gestiegen. Für 2010 stellt die Geschäftsführung ein noch besseres Ergebnis in Aussicht. Nahezu eine Milliarde US-$ soll dann das Konzernergebnis betragen.

Diese Geschäftszahlen zeigen eines sehr deutlich. Ein nachhaltiges und überzeugendes Geschäftsmodell kommt auch durch wirtschaftlich schwächere Zeiten ohne große Blessuren.

Das Geschäftsmodell des weltweit führenden Dialyseprodukteherstellers und -dienstleisters ist robust und zukunftsträchtig. Die Bevölkerung wird immer älter und ist auf medizinische Versorgung angewiesen. Zudem kommen neue Märkte hinzu, beispielsweise der afrikanische Kontinent. Konsequenterweise werden die Bad Homburger weiterhin neutral bis positiv eingestuft. Wie chancenreich diese beiden Defensivwerte sein können, beweist ein Blick auf den 18 Monats-Chart mit Benchmark DAX.  FMC lässt den DAX mit einem Abstand von 20 Prozent hinter sich. Auch ein Vergleich zum Pharma & Healthcare Performance-Index überzeugt.

Sorgen auf den britischen Inseln

4. März 2010

Währungsanlage – das britische Pfund

 

Was ist der nächste Brandherd, den es zu löschen gilt. Neben den Anrainern am Mittelmeer schauen immer mehr Augen auf die britischen Inseln. Hier zeichnet sich nicht nur ein knapper Wahlausgang bei den Unterhauswahlen Anfang Mai ab (vgl. Ipsos MORI Political Monitor February 2010), auch die britische Ökonomie und das Pfund Sterling sind in stürmisches Fahrwasser geraten. Die gute Bonität Britanniens ist gefährdet.

Wechselkurse von 1,51 Pfund je Dollar bzw. 1,10 Pfund je Euro lassen erahnen, wie schlecht die Lage rund um den Handelsplatz London ist. Viele Analysten sagen eine neue Pfund-Schwächephase voraus. Innerhalb der letzten vier Wochen hat der Sterling zur amerikanischen Leitwährung rund 5,5 Prozent verloren.

Gleichzeitig war die Inflation höher als vorhergesagt. Die Marke von zwei Prozent konnte nicht gehalten werden. Der britische Staatshaushalt ist marode, das Bruttoinlandsprodukt verzeichnete laut der Bank of England auch im vierten Quartal 2009 keine messbare/relevante Wachstumsrate (+0,1 Prozent in Q4/09). Noch können die Briten für sich in Anspruch nehmen, ein Triple-A im Rating vorzuweisen. Aber die Ausblicke sind eher düster. Ob daran der über den Erwartungen liegende Einkaufsmanagerindex (PMI) etwas ändern kann, bleibt abzuwarten. Der PMI notierte im Februar bei 58,4 – Werte oberhalb der Marke von 50 werden positiv gesehen.

Schweizer Börse erklimmt neues Hoch

26. Februar 2010

Wer sich im letzten Jahr am Schweizer Aktienmarkt engagiert hatte, konnte zum Jahresende auf glänzende Kursgewinne zurückblicken. Der SMI schloss zum Jahresende 2009 mit 6.608 Punkten nahezu 2.300 Zähler höher als zum Jahrestief Anfang März (4.307). Auch im neuen Jahr zeigt sich der SMI sehr stark und trotzt den europäischen Vorgaben. Experten und Marktkenner sind positiv gestimmt, sehen jedoch auch Risiken angesichts der dünnen Luft in der Höhe.

 

Respektaber Start in 2010 

Der SMI hat jüngst ein neues Hoch erklommen. Mit 6.710 Punkten konnte der Schweizer Markt seine beeindruckende Rallye auch im Februar fortsetzen und setzt sich von anderen europäischen Leitbörsen ab. Die Nachbarn in Deutschland reiben sich die Augen. Zwar ist die Stimmung beider Länder momentan arg angekratzt, aber auf dem Aktienmarkt haben die Eidgenossen in 2010 bislang das Sagen. Einem Zuwachs von zwei Prozent im laufenden Jahr steht ein Abschlag von gut fünf Prozent auf der deutschen Seite gegenüber. Von der Performance des DJES 50 ganz zu schweigen – der europäische Leitindex notiert knapp acht Prozent schwächer als zum Jahresbeginn. Der SMI befindet sich anders als Dax oder Dow Jones weiterhin in einem unangefochtenen Aufwärtstrend. Ein näherer Blick auf die einzelnen Titel des Schweizer Aktienindex lohnt. Insbesondere Konsumgüteraktien wie Richemont und die Swatch Group konnten unlängst von positiven Analystenmeldungen profitieren. Ähnlich gut lief es in den vergangenen Wochen für die Zurich Financial Services, deren Kursziel nach Veröffentlichung der  Jahreszahlen auf 300,00 Franken angehoben wurde.

Gemischt bis trübe fällt das Urteil für die Bankaktien aus, die im letzten Jahr Treiber der Rallye waren (die UBS eher ausgeklammert). Die Credit Suisse, größter Konkurrent der UBS, muss Abschläge um acht Prozent im laufenden Jahr hinnehmen (26.02.10: 47,90 CHF). Zurückzuführen ist dieser Rückschlag von gesenkten Analystenkommentaren. So hat beispielsweise die  WestLB das Kursziel für Credit Suisse nach Zahlen von 71,00 auf 66,00 Schweizer Franken reduziert, gleichfalls aber die Einstufung auf “Buy” belassen. Die UBS bleibt das Sorgenkind. Die Schweizer Großbank soll dem Vermelden nach dem Bund wegen der Steueraffäre in den USA eine Million Franken bezahlen. Daraufhin wurde Kritik laut dieser Betrag wäre eindeutig zu niedrig. Auf Sechs-Monatssicht und auch seit Jahresbeginn ist der Kurs der UBS-Aktie im roten Bereich. Allein in den vergangenen zwei Monaten büßte die Aktie gut sechs Prozent ihres Wertes ein. Der Dritte im Bunde, Julius Bär, gibt ein gemischtes Bild in den vergangenen Wochen ab. Die Zürcher Bank hat Anfang diesen Monats bekanntgegeben, dass sie ihren Gewinn in 2009 um sieben Prozent steigern konnte. Gleichfalls hat die Privatbank die Steueramnestie in Italien und den Ausstieg aus dem US-Geschäft zu spüren bekommen. Von ihrem Hoch Mitte Januar hat sich die Aktie mittlerweile deutlich distanziert und notiert momentan bei 33,50 CHF.

Mit positiv aufgenommenen Zahlen konnte der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestlé seinen Trend fortsetzen. Zudem können sich laut Meldungen die Aktionäre auch weiterhin über eine hohe Dividende freuen. Ferner ist ein Aktienrückkauf geplant. Kursziele um die 60 CHF scheinen realistisch.

 

Stärke des Schweizer Franken beflügelt den Markt

Wieland Staud kommt in seiner aktuellen Marktanalyse zum Schluss, dass die erstaunliche Performance des SMI auch in Verbindung mit der Stärke des Franken und die damit verbundene Schwäche des Euro zu sehen sein könnte. Aktuell schwankt der Euro mit Kursen um 1,46 Franken. Der Schweizer Aktienmarkt ist äußerst gut in das neue Jahr gestartet. Man könnte fast glauben, die Eidgenossen möchten mit dieser Performance zeigen, was in ihnen steckt. Angesichts des rauen (politischen) Gegenwinds der jüngsten Zeit (Stichwort Kauf der Steuer-CD) tut ein kleines Lob manchmal gut.

Japan: Verhaltener Optimismus

19. Februar 2010

“The Bank of Japan will encourage the uncollateralized overnight call rate to remain at around Percent“, teilte die Notenbank diese Woche mit. Damit bekräftigt sie ihre Richtung der lockeren Finanzpolitik. Zusätzliche positive Meldungen signalisieren eine ökonomische Belebung Japans.

 

Japans Wirtschaft im Aufwind

Die Wirtschaft des Landes vermeldete im vierten Quartal des vergangenen Jahres einen Anstieg von gut vier Prozent und übertraf damit die Vorhersagen von Ökonomen. Damit legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im nunmehr dritten Quartal in Folge zu. Zudem kommt eine Studie eines führenden Broker-Hauses zum Ergebnis, dass die Top-Unternehmen des Landes für das im März endende Wirtschaftsjahr mit 47 Prozent mehr Gewinn vor Steuern rechnen können. Der prognostizierte Anstieg wäre laut Nikko Cordial Securities der erste innerhalb der letzten zwei Jahre.

Grund für die guten Aussichten ist laut Nikko der anziehende Export. Auch andere Indikatoren wie beispielsweise die industrielle Produktion konnten laut Erhebungen des Wirtschaftsministeriums im Dezember 2009 anziehen und verstärkten den positiven Trend. Zudem errang Nippon erneut den zweiten Platz der Ökonomien weltweit. Allerdings ist das Reich der Mitte den Japanern dicht auf den Fersen.

 

Konjunkturprogramme und Yen beleben

Insbesondere die Export orientieren Unternehmen profitieren von der derzeitigen Stimmung. Dazu zählen insbesondere die Auto- und Elektronikhersteller. Zugute kommt den Firmen auch der wieder etwas schwächer werdende Yen. Von seinem Hoch Ende Oktober 2009 (EZB Referenzkurs 138,09 JPY) hat die japanische Währung um circa elf Prozent auf aktuell 123,30 JPY an Wert verloren. Allein in diesem Jahr schlägt eine Abnahme um sieben Prozent zu Buche.

Allerdings gibt es nach wie vor Sorgen im Land der aufgehenden Sonne. Die Deflation.

 

Japaner schauen leicht skeptisch in die Zukunft

Die vorherrschende Deflation bedeutet, dass die Unternehmen weniger verkaufen, weil die Konsumenten auf noch niedrigere Preise warten. Dies führt wiederum dazu, dass weniger investiert wird. Die Notenbanker haben ihre Strategie der Niedrigzinspolitik in dieser Woche bekräftigt, gaben auch zu bedenken, dass momentan noch nicht der richtige Zeitpunkt für eine Intervention sei. Dass die Japaner selbst eher skeptisch bezüglich der zukünftigen Entwicklung ihres Landes eingestellt sind, beweist eine neue Umfrage im Auftrage der Notenbank (www.boj.or.jp).

Die derzeitige wirtschaftliche Situation beurteilten im Dezember 2009 weniger Befragte mit „schlecht“ (entspricht einem Rückgang gegenüber Juni 2009 um 13 Prozent), aber in die Zukunft blickend bleiben die Bürger eher etwas pessimistisch. Nur knapp neun Prozent erwarten rosigere Zeiten, gut 30 Prozent erwarten düstere Aussichten (im Juni 2009 lag der Anteil bei 23 Prozent).

Quelle: http://www.boj.or.jp/en/type/release/teiki/ishiki/ishiki1002.pdf

Zudem steigt der Prozentsatz derjenigen, die nach wie vor auf fallende Preise setzen. Nur ein Drittel der 4.000 Befragten glaubt an (leicht) steigende Preisraten.

Der japanische Aktienindex NIKKEI 225 pendelt derzeit um die 10.000 Punkte. Nach einem Absturz Anfang Februar unter diese charttechnisch wichtige Marke konnte der Markt sich wieder etwas fangen und notiert bei 10.123 Zählern (19.02.10). Der am gestrigen Tag überraschende Schritt der US-Notenbank zur Anhebung des Diskontsatzes hat jedoch den Aktienmarkt zum Wochenausgang getroffen. Sorgen vor einer Schwächung der Konjunktur wurden laut. Die implizite Volatilität ist jüngst wieder etwas zurückgegangen.